Liebe, Verrat, Gier, Schuld und Sühne Macht und Minne

 

Liebe, Verrat, Gier, Schuld und Sühne Macht und Minne
Bruck wird im Sommer zur Festspielstadt / Kultur- und Festspielverein hat noch viel vor / Karten bereits jetzt reservieren

 

 
 


 

  Die Maschine hat zwei Motoren: Da ist auf der einen Seite der 27-jährige Thomas Giptner, Vorsitzender des KuF. „In Bruck steckt wahnsinnig viel Potenzial an Lebensfreude und Kultur. Wir haben mit unserem Verein die Möglichkeit, das alles zu bündeln. Ich will letztendlich, dass die Brucker durch unsere Arbeit noch mehr Grund haben, hier gern zu leben", sagt er. Darum hat er den Chefposten in dem Verein übernommen, der umfangreiche Aufgaben mit sich bringt.

Giptner ist aber nicht nur als organisatorische und „ausführende" Arbeitskraft gefordert. Er hat auch den meisten Text im brandneuen Festspiel „Macht und Minne", das den ersten Brucker Marktspielsommer mit Leben füllt. Am 22. und 23. Juli spielt er auf dem 3000 Quadratmeter großen Marktplatz in Bruck den jungen Kaufmann Kilian Tucher. Als solcher durchlebt und durchleidet er den kollossalen Wandel in Handel und Gesellschaft, den das erste Brucker Marktrecht von 1345 mit sich bringt.

Das Stück hat Hubert Süß (29) geschrieben. Der junge Medienverleger hat jahrelang in Bruck gewohnt, hier gearbeitet und zitiert aus Wallenstein: „Ich kenne meine Pappenheimer!" Wer im Skript liest, erkennt, was Süß damit meint. Parallelen zu den Bruckern von heute sind nicht zufällig, sondern gewollt. Mit etlichen historisch verbrieften Figuren (Ortsheimatpfleger Dr. Alois Wittmann lässt grüßen) und viel Fantasie hat der Autor ein spannendes Spiel in fünf Akten gezaubert, die nahtlos ineinander übergehen. Liebe, Verrat, Gier, Schuld und Sühne, Kampf und Feuer finden in der Ortsmitte reichlich Platz. Und nebenbei erklärt „Macht und Minne", warum sich die Brucker und Nittenauer früher nicht gerade „grün" waren...

Die Schauspieler stammen aus Bruck, Nittenau, Bodenwöhr, Wald, Walderbach, Schwandorf und Illschwang. Süß führt auch Regie und ist von den bisherigen Leistungen seiner Mimen sehr angetan. „Die sind mit Herzblut dabei, stets bereit, an sich zu arbeiten und zeigen wahnsinnig viel Begabung." Die Kostüme fertigt federführend die Nittenauerin Doris Pöschl. Auch sie ist im Mittelalter sehr bewandert. Ihr Lebensgefährte Mario Zierer leitet den Mittelalterverein „Communitas Draconis" und kümmert sich um das edle Waffenwerk bei „Macht und Minne". Die prächtigen Roben, derben Bauernkittel und schlichten Bürgerinnen-Kleider entwirft Doris Pöschl selbst.

Szenenwechsel. Probe im Gymnastikraum der Volksschule. Dominik Gleixner (16) lallt durchs Wirtshaus und versucht, die Kellnerin zu begrapschen. Statt Tadel gibt's Lob vom Regisseur. Der Rausch ist glaubwürdig, trotz des gespielten Zungenschlags ist der Text klar verständlich. Da lächelt sogar die gestrenge Frau Wirtin (Kerstin Schmiedel), die dem armen Pilgreim Andre (köstlich: Willi Bucher) nie einen labenden Trunk gewährt...

„Macht und Minne" kombiniert gekonnt die historische Szenerie in Bruck mit ergreifenden menschlichen Schicksalen, buntes Lokalkolorit mit derbem Humor, große Gesten mit leisen Botschaften. Karten für die Aufführungen am Marktplatz (22./23. Juli, 21 bis 23 Uhr) können schon jetzt bei der Marktverwaltung, Sigrid Kaiser, Telefon (09434) 941210, reserviert werden. Sie kosten sechs Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder. An beiden Tagen gibt es bereits ab 16 Uhr ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Was kommt nach dem Festspiel? Giptner, Süß und ihre Mitstreiter haben große Pläne. Auch im Winter wollen sie das kulturelle Angebot Brucks bereichern. Und der nächste Marktspielsommer soll mehr als „nur" ein Stück und zwei Aufführungen beinhalten. „Wir haben das große Glück, dass die Gemeinde da voll hinter uns steht", sagt Süß. So plant der Markt die Anschaffung von umfangreicher Technik, die der Verein — ebenso wie andere — nutzen darf. Dennoch sind die neuen Kultur-Schaffenden in Bruck auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Sei es durch Mitarbeit oder durch finanzielle Unterstützung. Eine wichtige Hürde, so freut sich Bürgermeister Joachim Hanisch, ist bereits genommen: Die EU hat den Zuschussantrag für das diesjährige Festspiel mit geringen Abstrichen gebilligt. „Gottseidank. Schließlich freue ich mich seit dem letzten Herbst schon auf die Premiere!"

Internet: www.marktspielsommer.de